Lehrergesundheit

Das Thema „Lehrergesundheit“ rückt in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund. Mehr denn je sind Lehrer und Lehrerinnen heutzutage hohen Belastungen ausgesetzt, denen sie nicht immer gerecht werden können. Vielfach schlägt sich dies auf ihre Gesundheit nieder, was zu erhöhten Krankheitsausfällen und zu Fehlstunden für die Schüler führt. Auch die Zahl der oft krankheitsbedingten Frühpensionierungen der Lehrer steigt. Diese Fakten sprechen dafür, dass es an der Zeit ist, geeignete Maßnahmen für den Erhalt der Gesundheit von Lehrern zu entwickeln.

Verschiedene Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass die Gesundheit der Lehrer auch einen gravierenden Einfluss auf die Qualität der jeweiligen Schulen hat. Die Zusammenhänge sind auch für den Laien offensichtlich, denn jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass eine schlechte Gesundheit die eigene Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit negativ beeinflusst. Wer volle Leistung bringen möchte, der muss gesund essen, sich gesund, fit und stark fühlen. Auch die Akzeptanz eines Lehrers bei seinen Schülern hängt häufig mit seiner dynamischen und vitalen Ausstrahlung zusammen, denn nur durch aktives Vorleben können die Schüler auch zur eigenen Leistungsbereitschaft motiviert werden. Der umfangreiche Unterrichtsstoff kann meist nur dann lückenlos und gründlich vermittelt werden, wenn der Lehrer leistungsfähig und fit ist, und keine nennenswerten Fehlzeiten anfallen. Gelegentliche Fehlzeiten, die durch harmlosere Erkrankungen wie zum Beispiel einen grippalen Infekt verursacht werden, fallen hier jedoch nicht ins Gewicht.

Die Gesundheit der Lehrer lässt sich am besten durch präventive Maßnahmen bewahren. Es kann keinesfalls nur darum gehen, die bereits angeschlagene Gesundheit wieder herzustellen. Viel wichtiger ist es, frühzeitig attraktive Möglichkeiten und Angebote zu entwickeln, wie die Gesundheit bewahrt und gestärkt werden kann. Diese präventiven Möglichkeiten können bereits bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes beginnen. Ergonomisches Mobiliar kann zum Beispiel Haltungsschäden oder Fehlhaltungen vorbeugen, die sich im Laufe der Jahre zu chronischen Rückenleiden entwickeln können. In bestimmten Unterrichtsfächern wie zum Beispiel Physik oder Chemie gilt ein Augenmerk auch den möglichen Unfallrisiken. Es können viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um diese zu minimieren. Doch auch das Bewusstsein der Lehrer für die eigene Gesundheit muss geschärft werden. So kann zum Beispiel Stress und Überlastung wirken wie eine ungewollte Blitzdiät und über längere Zeiträume zum gefürchteten Burnout führen, der von den Betroffenen häufig herunter gespielt wird.

Doch was macht den Lehrerberuf so belastend und fordernd? Es sind nicht nur die hohen Anforderungen, sondern zunehmend auch die sozialen Rahmenbedingungen, denen Lehrkräfte Tag für Tag gegenüber treten müssen. Mehr denn je müssen Lehrer heute über eine soziale Sensibilität verfügen und sich auf die Bedürfnisse und Besonderheiten ihrer Schüler einstellen können. Dies verlangt nicht selten einen hohen Grad an Robustheit und innerer Stärke und Ausgeglichenheit. Das Verhältnis zu den Schülern muss ständig gepflegt werden, dabei muss sich der Lehrer jedoch weiterhin behaupten und durchsetzen können. Neben der Qualität der eigenen Arbeit muss zudem noch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein vorhanden sein, sowie das Urteilsvermögen über die erzielten Lernerfolge. In vielfach großen Klassenverbänden herrscht häufig ein hoher Lärmpegel, bei dem es besonders schwer fällt, die Konzentration über lange Zeit aufrecht zu erhalten. Ausgefüllte Stundenpläne bieten meist wenig Zeitraum zur Entspannung und nur kurze Pausenzeiten.

So sehen sich die Lehrer vielen Anforderungen ausgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um die individuellen und oft schwierig zu befriedigenden Anforderungen der Schüler selbst. Auch Eltern, Kollegen und Vorgesetzte sind Ansprechpartner des Lehrers, denen er gerecht werden muss. Dabei variieren die Betrachtungsweisen der jeweiligen Situation häufig sehr stark, so dass der Lehrer vermittelnd eingreifen muss. Und nicht zuletzt ist der Lehrer auch noch Privatperson und muss den Erwartungen seiner Familie genügen. Nicht immer wird die Leistung des Lehrers tatsächlich von diesen Bezugspersonen anerkannt. Für zusätzlichen Stress sorgen beruflicher Ehrgeiz und Perfektionsstreben, dem häufig die Distanzierungsfähigkeit zum Opfer fällt. Eine offene Problembewältigung ist nicht immer möglich, und so fällt es schwer, innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu wahren. Besonders in den Brennpunkten der Großstädte ist die soziale Akzeptanz des Lehrers heute oft eher gering.

In einem sozialen Zusammenhang gesehen, kann die Förderung der Lehrergesundheit also nicht nur die Aufgabe des einzelnen Lehrers selbst sein, sondern muss zumindest in unterstützender Form auch von der Gesellschaft getragen werden. Jedoch trägt wie überall auch die Einzelperson die Verantwortung für ihre Gesundheit. In den einzelnen Bundesländern wurden bereits unterschiedliche Förderprogramme entwickelt, die es den Lehrern durch ein breit gefächertes Angebot ermöglichen sollen, etwas für den Erhalt ihrer Gesundheit zu tun.

Neben den organisatorischen und strukturellen Faktoren an den Schulen selbst, die dem Lehrer zur Verfügung gestellt werden, beinhalten die Programme verschiedene und unterschiedliche Elemente aus dem Bereich der Gesundheitsförderung. Vielfach wird auch präventiv aufklärend gearbeitet, zum Beispiel zum Thema Nikotin. Durch die organisierte Bewusstseinsförderung sollen negative Aspekte vermieden werden. Die praktischen Angebote liegen vor allem im Bereich der körperlichen Fitness und auch im Bereich von Wellness und Entspannung. Abgerundet werden die Programme meist mit Komponenten zur gesunden Ernährung.