Arbeitslast

Feierabend für Lehrkräfte: Den Arbeitstag mental beenden

Nach Schulschluss sind Unterricht und Gespräche vorbei, doch offene Korrekturen, Elternanfragen oder Konflikte beschäftigen viele Lehrkräfte weiter. Psychologische Distanzierung bedeutet, in der Freizeit gedanklich Abstand von der Arbeit zu gewinnen. Eine Auswertung der BAuA zur Erwerbstätigenbefragung 2024 zeigt: 49 Prozent der befragten Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen können nach der Arbeit häufig nicht abschalten. Bei anderen abhängig Beschäftigten sind es 21 Prozent.

Damit der Feierabend klar beginnt, notieren Sie offene Aufgaben für den nächsten Arbeitstag, begrenzen Ihre dienstliche Erreichbarkeit und sorgen für verlässliche Übergaben. Das ersetzt keine ausreichenden Pausen und keine zumutbaren Arbeitsbedingungen. Es hilft aber, bewusst aus dem Schulalltag auszusteigen.

Offene Aufgaben für morgen planen

Unerledigte Aufgaben bleiben besonders leicht im Kopf, wenn unklar ist, wann und wie es weitergeht. In einer Studie mit Beschäftigten fiel das Abschalten schwerer, wenn wichtige Ziele offenblieben. Ein konkreter Plan für den nächsten Schritt erleichterte es Personen, denen das Abschalten ohnehin schwerfiel. Eine weitere Feldstudie fand bei angeleiteter Wochenplanung weniger unerledigte Aufgaben und weniger Grübeln. Diese Untersuchungen bezogen sich nicht speziell auf Lehrkräfte, stützen aber den praktischen Gedanken: Halten Sie fest, was offen ist und wann Sie es wieder aufnehmen.

Am Ende des Schultags genügt eine kurze Notiz. Statt „Elternkontakt“ schreiben Sie beispielsweise: „Morgen nach der ersten Stunde die Rückmeldung an die Eltern formulieren.“ Wenn Sie auf eine Information warten, notieren Sie, von wem sie kommen muss. So bleibt die Aufgabe sichtbar, ohne dass Sie sie abends immer wieder im Kopf durchgehen müssen.

Teilen Sie größere Vorhaben wie Korrekturen oder Unterrichtsplanung in kleine, machbare Schritte auf. Sortieren Sie Aufgaben etwa danach, was heute noch nötig ist, was bis zum nächsten Arbeitstag warten kann und was von einer Rückmeldung abhängt. Vor dem Feierabend müssen Sie nicht alles abschließen. Wichtig ist, dass für offene Aufgaben ein nachvollziehbarer nächster Schritt feststeht.

Ein kurzes Schlussritual nutzen

Ein gleichbleibender Ablauf hilft, den Arbeitstag klar zu beenden. Probieren Sie eine einfache Abfolge: offene Aufgaben notieren und den nächsten Schritt festlegen, Unterrichtsmaterialien wegräumen, dienstliche Programme schließen und den Arbeitsplatz verlassen. Ein fester Heimweg oder ein kurzer Spaziergang kann den Übergang zusätzlich sichtbar machen. Für diese einzelnen Rituale gibt es keinen gesonderten Wirksamkeitsnachweis bei Lehrkräften; sie sind praktische Möglichkeiten, den Arbeitsschluss im Alltag kenntlich zu machen.

Halten Sie das Ritual so klein, dass es auch an einem vollen Schultag realistisch bleibt. Wenn Sie zu Hause weiterarbeiten, legen Sie vorher fest, wann und womit Sie beginnen. Schließen Sie danach die Unterlagen und beenden Sie den Zugriff auf dienstliche Nachrichten. Eine klare zeitliche Grenze ist hilfreicher als der vage Vorsatz, „später nicht mehr daran zu denken“.

Dienstliche Nachrichten begrenzen

Schalten Sie dienstliche Benachrichtigungen nach Ihrer persönlichen Schlusszeit aus, sofern Ihre Aufgaben und schulischen Absprachen das zulassen. Wenn Sie dienstliche und private Konten oder Geräte trennen können, erleichtert das die Grenze. Auch feste Zeitfenster für E-Mails helfen: Sie müssen den Posteingang dann nicht zwischen anderen Tätigkeiten oder am Abend wiederholt prüfen.

Besprechen Sie im Kollegium, welcher Kanal für wirklich dringende Anliegen gedacht ist und was bis zum nächsten Arbeitstag warten kann. Klären Sie dabei auch, wie Teilzeit, Abwesenheit und Vertretung berücksichtigt werden. Eine Regel wirkt im Alltag nur, wenn alle wissen, wer in dringenden Fällen zuständig ist und welche Reaktion erwartet wird.

Für Schulen gibt es keine aus einem lokalen Beispiel ableitbare, bundesweit einheitliche Regel zur digitalen Erreichbarkeit. Eine Muster-Beschlussvorlage des Gesamtpersonalrats Pankow in Berlin schlägt Absprachen zu Erreichbarkeit und Reaktionszeiten vor. Sie ist ein örtlicher Vorschlag für die Beratung, keine allgemeingültige Vorgabe. Konkrete Pflichten hängen von den jeweils geltenden Regelungen und Vereinbarungen ab.

Übergaben im Kollegium klären

Ein offener Vorgang belastet weniger, wenn die nächste zuständige Person und der nächste Schritt feststehen. Bei einer Vertretung kann eine knappe Notiz reichen: Was ist passiert, was steht als Nächstes an und wer kümmert sich darum? Für sensible Anliegen sollten Sie den in der Schule vereinbarten Weg nutzen und nur die nötigen Informationen weitergeben.

Auch kurze feste Absprachen im Kollegium verhindern, dass wichtige Fragen erst am Abend per Nachricht auftauchen. Legen Sie beispielsweise fest, wann Vertretungsinformationen gesammelt werden oder an wen eine dringende Rückfrage geht. Eine deutsche Lehrkräfteauswertung fand einen Zusammenhang zwischen kollegialer Unterstützung und weniger Schwierigkeiten beim Abschalten. Sie beweist nicht, dass eine bestimmte Übergabeform diese Wirkung erzielt. Verlässliche Zuständigkeiten schaffen dennoch eine konkrete Grundlage dafür, dass offene Aufgaben nicht bei einer einzelnen Lehrkraft hängen bleiben.

Überlastung gemeinsam angehen

Abschlussrituale helfen nicht, wenn der Arbeitstag dauerhaft zu viele Aufgaben enthält oder Pausen regelmäßig ausfallen. Laut BAuA erleben Lehrkräfte häufiger mehrere Anforderungen gleichzeitig, Unterbrechungen und Schwierigkeiten beim Abschalten als andere Beschäftigte. Eine frühere BAuA-Auswertung zur Pausensituation zeigt außerdem: Lehrkräfte haben öfter weniger Zeit für Pausen und werden dabei häufiger gestört. Individuelle Routinen können solche Arbeitsbedingungen nicht ausgleichen.

Wenn Ihre Arbeit regelmäßig in den Abend reicht, halten Sie fest, welche Aufgaben Zeit beanspruchen und wo Unterbrechungen oder fehlende Übergaben zusätzlichen Aufwand verursachen. Sprechen Sie diese Punkte mit den zuständigen Personen an und prüfen Sie, welche Aufgaben gemeinsam anders organisiert werden können. Bei anhaltenden Belastungen sind schulische Ansprechstellen und die jeweils zuständigen Beratungs- oder Unterstützungsangebote geeigneter als der Versuch, die Lage allein mit einem weiteren Ritual zu bewältigen.

Zur Einordnung

Unsere Beiträge geben allgemeine Orientierung für den Schulalltag. Sie ersetzen keine individuelle medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung.

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